Vier Jahrzehnte Salzburger Sportlerwahl – Ein Rückblick

“Seit dem Jahr 1985 holen die SN die besten Sportlerinnen und Sportler vor den Vorhang. Ein Rückblick mit Anekdoten, Überraschungen und kuriosen Geschichten. ”

Hans Adrowitzer

 

Wer die Premiere im Jahr 1983 im damaligen „Tanzpalast Himmelreich“ miterlebt und die SN-Sportgala bis heute begleitet hat, wird es wohl genau so empfinden wie der Autor dieser Zeilen: Eine nationale Sportlerehrung hat sich im Laufe der Jahre/Jahrzehnte zu einem gesellschaftlichen Top-Ereignis in Salzburg entwickelt. Bei aller Bescheidenheit: Der Name „Leonidas Sportgala“ ist eine Marke geworden, und der Bekanntheitsgrad endet nicht an Österreichs Grenzen!

Ganz ehrlich, das haben wir im Gala-Organisationsteam auch so gewollt und gesteuert, nicht zuletzt durch die Einladung von Weltstars. Da fällt mir zu allererst der Name Franz Beckenbauer ein, und dazu gleich eine heutzutage schier unglaubliche Episode. Ein befreundeter Skilehrer hatte mir Ende der 1970er-Jahre im Dezember verraten, dass sich die „Schneeforscher“ wieder in Obertauern aufhielten – eine deutsche Männergruppe legendärer Sportgrößen, an der Spitze Franz Beckenbauer und Uwe Seeler, der Stürmerstar des Hamburger SV.

Weil Handys in dieser „Urzeit“ der Kommunikation noch Zukunftsmusik waren, habe ich, damals noch in Diensten der „Salzburger Volkszeitung“, ganz ungeniert um circa 12.15 Uhr im Hotel der „Schneeforscher“ angerufen. Zu meinem Erstaunen hat mich die freundliche Rezeptionistin in Beckenbauers Zimmer verbunden, und „Kaiser Franz“ hat sich sofort gemeldet. Meine Bitte um ein Interview hat er mit „Ja, schießens mal los“, beantwortet, obwohl er zuvor weder meinen Namen noch den des Mediums gekannt hatte. Kurz vor 12.30 Uhr unterbrach er das Gespräch mit den Worten: „Bitte, nix für ungut, wir Schneeforscher treffen uns um halb eins zum Mittagessen, und wer zu spät kommt, muss Strafe zahlen.“ Kein Wort davon, dass er das Interview vor dem Erscheinen noch durchlesen wolle, wie sich das zuletzt eingebürgert hat, selbst bei 19-jährigen Möchtegern-Stars!

Was mich an Franz Beckenbauer besonders beeindruckt hat: Der Weltmeister, als Spieler und als Trainer, hat mit mir vom ersten Augenblick an auf Augenhöhe gesprochen, mich niemals spüren lassen, dass er in anderen Fußball-Sphären schwebt. Als einer der berühmtesten Deutschen dann zum Wahl-Salzburger geworden ist, haben wir Beckenbauer als Ehrengast zur SN-Sportgala eingeladen, und gemeinsam mit seinem Halleiner Freund Karl Reyer ist er zum Gala-Stammgast geworden. Bis heute ist „Kaiser Franz“ den SN freundschaftlich verbunden!

Wovon wir nie zu träumen gewagt hatten: Auch bei der SN-Sportgala 1986, die damals als Frühlings-Ball im alten Salzburger Kongresshaus stattfand, war eine Größe des Weltfußballs zu Gast: Mario Kempes, den seine Fans „El Matador“ genannt hatten!

1987 begrüßt Bürgermeister Reschen Weltmeister Mario Kempes bei der SN-Sportgala.
1987 begrüßt Bürgermeister Reschen Weltmeister Mario Kempes bei der SN-Sportgala.

Der langhaarige Ausnahmekicker war 1978 mit Argentinien Weltmeister und WM-Torschützenkönig geworden. Und 1985/86 spielte Kempes, den als Legionär, man glaubt es heute kaum, bei der Vienna! Ohne wirklich an das Gelingen dieses Deals zu glauben, haben wir Kontakt zu Rudolf Novotny aufgenommen. Er war einer der Initiatoren des Kempes-Transfers zur Vienna und später Mitbegründer der Fußballer-Gewerkschaft. Und wir trauten unseren Augen nicht, als Novotny sein Versprechen wahr machte und mit Kempes bei der SN-Sportgala erschien!

Die Liste der Weltstars, die wir als Ehrengäste begrüßen durften, ließe sich beliebig fortsetzen. Natürlich waren wir stets darauf bedacht, dass „unsere“ Salzburger Sportlerinnen und Sportler, Trainer und Talente im Scheinwerferlicht ganz vorne stehen, denn ihnen zu Ehren findet ja die Gala statt. Und jedes Jahr das gleiche Spiel: Stundenlang wird über der Tischordnung getüftelt, nach Möglichkeit werden die Wünsche der eingeladenen Gäste auch erfüllt. Bei zwei Ex-Weltklasse-Sportlerinnen war immer Fingerspitzengefühl gefragt: „Bitte, ich will wieder neben der ….sitzen“, meinte die eine. „Bitte, ich mag diesmal nicht neben der …sitzen. Die quatscht mir den ganzen Abend die Ohren voll“, bat die andere. Namen werden natürlich nicht verraten.

Zur Institution bei der „Leonidas Sportgala“ ist auch ein gebürtiger Oberösterreicher geworden: Fritz Egger! Der bekannte Schauspieler und Kabarettist hat auf der Gala-Bühne auch seine sportlichen Qualitäten demonstriert. Unvergessen ist, wie der einst langmähnige Fritz Egger im Kongresshaus während des Trampolinspringens das Mikrofon in der Hand hielt, Salti schlug und zugleich ein Interview führte. Bei der bis dato letzten Leonidas-Sportgala im Jahr 2019 bildete Egger mit Ex-Skistar Alexandra Meissnitzer das Moderations-Traumduo!

Es war wohl ein Wink des Schicksals, dass im Jahr 2019 das Lebenswerk für besondere Leistungen während der aktiven Karriere und in der „Zeit danach“ an Rennsport-Legende Walter Lechner verliehen wurde!

Rennfahrerlegenden unter sich: Hans-Joachim „Striezel„ Stuck mit seinem Freund Walter Lechner im Jahr 2019.
Rennfahrerlegenden unter sich: Hans-Joachim „Striezel„ Stuck mit seinem Freund Walter Lechner im Jahr 2019.

Unvergesslich bleibt allen, die es live erlebt haben, die Laudatio von Lechners Rennfahrer-Kollegen Hans-Joachim Stuck! Mein alter Freund „Dustin“, wie ich Walter immer genannt habe, war zu Tränen gerührt. Wer hätte an diesem wunderbaren Abend gedacht, dass Walter Lechner einen allzu frühen Tod sterben müsse? Die Nachricht von seinem Ableben im Dezember 2020 im 71. Lebensjahr hat die Motorsportwelt erschüttert – und mich auch in Erinnerungen schwelgen lassen. Anfang der 1970er-Jahre habe ich Walter als Betreiber der Disco „Alpenland“ in Faistenau kennen gelernt, ich hatte einen Studentenjob im Hotel Seerose in Fuschl und nächtens in der Disco „Heuboden.“ Eines Abends fragte mich Walter: „Kommst morgen Mittag auf den Salzburgring? Da gibt`s eine Rennfahrerschule, wir können mit Formel-Super-V fahren.“ Gesagt, getan: Dieser Renn-Bazillus hat Walter nicht mehr los gelassen. Als er uns dann einige Zeit später mit der Aussage „Burschen, ich werde Rennfahrer“ überraschte, haben wir ihn noch milde belächelt. Doch das Lächeln ist uns schnell vergangen. Walter Lechner hat sich in der Szene weltweit einen Namen gemacht, seine Söhne Walter jun. Und Robert führen nun das Lebenswerk ihres Vaters weiter!

2015 freute sich Otto Baric „maximal" mit seinem ehemaligen Schützling Adi Hütter, der damals zum Trainer des Jahres gekürt wurde.
2015 freute sich Otto Baric „maximal“ mit seinem ehemaligen Schützling Adi Hütter, der damals zum Trainer des Jahres gekürt wurde.

Unvergessen bleibt uns allen auch Otto „Maximale“ Baric, der im Dezember 2020 im 87. Lebensjahr an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben ist! Vor ein paar Jahren konnten wir ihn überreden, von Zagreb nach Salzburg zur „Leonidas-Sportgala“ zu kommen, wo er an der Seite seines ehemals kongenialen Partners aus Austria-Salzburg-Zeiten, Rudi Quehenberger, einen vergnüglichen Abend erlebte.